Wirbelsäule

Tumore an der Wirbelsäule

Im Bereich der Wirbelsäule können sich unterschiedlichste Tumore und Zysten entwickeln. Diese führen zu einer Bedrängung von Nerven und Rückenmark und führen auf diese Weise zu neurologischen Funktionsstörungen.

Tumore im Spinalkanal

Man unterscheidet zwischen Tumoren innerhalb und solchen außerhalb des Rückenmarks (intra-/extramedullär). Für die Vertreter beider Gruppen gilt, dass die überwiegende Mehrzahl gutartig ist und operativ behandelt werden sollte. Sehr häufig ist eine komplette Entfernung der Tumore unter Erhalt der neurologischen Funktionen möglich. Gerade für die innerhalb des Rückenmarks gelegenen Tumoren gilt, dass einmal vorhandene neurologische Schäden nach der OP häufig nicht besser werden. Mit einer Operation sollte daher nicht gewartet werden bis ernsthafte neurologische Schäden vorliegen!

Häufige innerhalb der Rückenmarkshülle lokalisierte Tumore:

  • Meningeome – Zumeist gutartige intradurale Tumore, die sich aus Zellen der Rückenmarkshüllen (Meningen) entwickeln. Sie entstehen in allen Abschnitten der Wirbelsäule und führen durch langsames Wachstum zu einer Rückenmarksbedrängung. Die Behandlung erfolgt durch eine mikrochirurgische Operation, die üblicherweise dorsal, also vom Rücken aus, vorgenommen wird. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle können die Tumore komplett entfernt werden. Eine besondere Nachbehandlung – Bestrahlung oder Chemotherapie – ist in der Regel nicht erforderlich.
  • Neurinome (Schwannome) – Zumeist gutartige intradurale Tumore, die sich aus Zellen der Nervenscheide (Schwann-Zellen) entwickeln. Sie kommen sowohl an den Nervenwurzeln, also in der Wirbelsäule, als auch an peripheren Nerven an anderen Stellen im Körper vor. Die im Spinalkanal gelegenen Neurinome führen durch langsames Wachstum zu einer Rückenmarksbedrängung und müssen i.d.R. operativ entfernt werden. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle können die Tumore durch einen mikrochirurgischen Eingriff komplett entfernt werden. Eine besondere Nachbehandlung – Bestrahlung oder Chemotherapie – ist in der Regel nicht erforderlich.
  • Ependymome – Biologisch gutartige Tumore, die sowohl im Rückenmark (intramedullär) als auch außerhalb (extramedullär) vorkommen. Beide Varianten können erhebliche Ausmaße annehmen und sind üblicherweise operativ komplett zu entfernen.

Zysten im Spinalkanal

Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Strukturen ganz unterschiedlicher Art und Herkunft. Sie machen sich, ähnlich wie Bandscheibenvorfälle oder solide Tumore, durch Druck auf umliegende Nerven bemerkbar. Typische Vertreter dieser Kategorie sind:

  • Synovialzysten – Entstehen relativ häufig begleitend im Rahmen einer Arthrose der kleinen Wirbelgelenke. Die Zysten bilden sich durch eine Ausstülpung der Gelenkschleimhaut. Im Rückenmarkskanal gelegen machen sie sich durch eine Irritation von Nervenwurzeln bemerkbar. Ähnlich wie ein Bandscheibenvorfall können diese Zysten problemlos mikrochirurgisch entfernt werden.
  • Wurzeltaschenzysten – Werden oft als harmloser Zufallsbefund bei einer Kernspintomografie der Lendenwirbelsäule (LWS) entdeckt. Die Mehrzahl dieser Zysten erfordert keine Operation. Die relativ seltenen symptomatischen Wurzeltaschenzysten können mikrochirurgisch behandelt werden.
  • Arachoidalzysten – Zysten / Kammerungen innerhalb des Spinalkanals und häufig innerhalb der Rückenmarkshaut. Zysten, die zu einer Bedrängung des Rückenmarks führen, erfordern eine mikrochirurgische Eröffnung.

Syringomyelie

Diese Erkrankung entsteht durch eine Höhlenbildung innerhalb des Rückenmarks aufgrund unterschiedlicher Ursachen. Die flüssigkeitsgefüllte Höhle (Syrinx) kann sich über das gesamte Mark erstrecken und erfordert in aller Regel eine operative Therapie, um schwerwiegende neurologische Schäden zu verhindern oder einzudämmen. Die typische Therapieform bei der häufigsten Form der Syringomyelie:

  • Erweiterungsoperation – Eine sog. suboccipitale Dekompression wird insbesondere bei den Formen der Syringomyelie angewandt, die durch eine Fehlbildung im Kleinhirnbereich (Arnold-Chiari-Syndrom) hervorgerufen werden. Hierbei kommt es zu einer Einengung am Übergang vom Kleinhirn zum Rückenmark. Zur Therapie erfolgt eine operative Erweiterung des Rückenmarkkanales von hinten (dorsal), also vom Nacken her durch eine knöcherne Entlastung und den zusätzlichen Einsatz einer Erweiterungsplastik der Hirnhaut (Duraplastik).